Ein Bodyguard für sensible Daten

Abhörsicherheit „made in Sachsen-Anhalt“: Die App Chiffry verschlüsselt Nachrichten und Telefonate in Echtzeit

Man kommt seit einiger Zeit ins Zweifeln: Hört jemand mit, wenn wir mit unseren Freunden, der Familie, den Kollegen telefonieren? Und wer liest, speichert, nutzt unsere Daten, die wir über Messenger-Dienste austauschen? Eben. Damit Angreifer keine Chance mehr haben, gibt es jetzt die App Chiffry.

Erfinder des Verschlüsselungsdienstes Chiffry ist André Gimbut (23) aus Teutschental (Halle-Saalkreis). Ein Informatiker, der für die Sicherheit von versendeten Daten und Telefongesprächen brennt. Zusammen mit seinen Eltern Manuela und Leonid Gimbut gründete er 2005 die Digittrade GmbH. Im vergangenen Jahr bekam Digittrade als innovativster Produktentwickler des Landes für die Hochsicherheitsfestplatte HS256S den Hugo-Junkers-Preis.

Das Prinzip von Chiffry lässt sich am besten mit Briefkästen erklären: Die Nachricht des Senders wird bereits im Telefon verschlüsselt und landet so im Briefkasten des Empfängers. Nur der Empfänger hat einen Schlüssel für diesen Briefkasten, und nur er kann die Nachricht lesen. Bei herkömmlichen Messengern werden Nachrichten dagegen unverschlüsselt versendet. „Ein Angreifer kann diese Nachrichten während deren Versendung abfangen und mitlesen“, erklärt Gimbut. „Mit Chiffry fängt er nur Datenmüll ab.“

Sender und Empfänger installieren sich Chiffry auf ihre Smartphones. Die Kommunikation erfolgt ähnlich wie bei gängigen Messenger-Apps. „Nur dass bei uns versendete Nachrichten, Bilder, Videos, Kontakte und Standorte ausschließlich vom Empfänger gelesen werden können“, so Gimbut. Jede Nachricht werde sofort nach der Zustellung vom Server gelöscht. Die Server stehen in Mitteldeutschland, damit unterliegt Digittrade dem deutschen Datenschutz. Weil Chiffry zudem in Deutschland entwickelt wurde, erfüllt Digittrade alle Vorgaben für das Qualitätszeichen „IT Security made in Germany“. Als Mitglied im Teletrust, dem Bundesverband IT-Sicherheit, garantiert Digittrade den Chiffry-Nutzern, dass keine Daten weitergegeben werden und es in der Applikation keine Hintertüren zum Anzapfen der Daten gibt.

Weiter als jeder andere Messenger-Dienst reiche Chiffry durch die abhörsichere Telefonie, sagt Gimbut. „Auf die Idee hatte mich ein abhörsicheres Telefon auf der Cebit gebracht“, schaut der Informatiker auf die Geburtsstunde von Chiffry zurück. Jene Apparate lösten die Sicherheitsfrage durch speziell eingebaute Hardware, was die Sache umständlich und teuer machte. Denn sämtliche Sender und Empfänger sensibler Daten bräuchten genau diese Telefone und eigene Server.

Das muss einfacher gehen, sagte sich der damals 21-Jährige und entwickelte mit seinem Informatik-Professor von der Universität Halle-Wittenberg eine Methode, Gespräche in Echtzeit zu verschlüsseln. Im Rahmen von Gimbuts Bachelorarbeit wurde schließlich der Grundstein zu Chiffry gelegt. Inzwischen, sagt Gimbut, sei Chiffry in der Lage, trotz des Zwischenschritts der Ver- und Entschlüsselung eine bessere Gesprächsqualität zu liefern als herkömmliche Mobilfunk-Anbieter: „Der Rufaufbau geht schneller, die Verbindung ist stabiler, die Tonqualität besser. Und das ist unser Ziel. Neben der Sicherheit wollen wir unseren Nutzern auch  zusätzlichen Komfort bieten.“

Die Abhörskandale haben  Smartphone-Nutzer bereits zur Suche nach sicheren Alternativen bewegt. Gleichzeitig möchten sie auf ihren gewohnten Komfort nicht verzichten. Gimbut kennt diese Zweifel. Deshalb legt er nach: „Die bestehenden Dienste sind sicher keine schlechten Lösungen. Aber in Sachen Sicherheit und Funktionsumfang hat unsere App einiges voraus. Schließlich gibt es nur bei uns zum Messenger-Dienst noch die abhörsichere Telefonie.“ Chiffry werde in seiner Basisversion „dauerhaft kostenlos“ bleiben. „Nach der Android- und Blackberry-Version entwickeln wir derzeit die iOS-Variante – wichtig für alle iPhone-Nutzer.“

Zusätzlich, und hier kommt der Entwickler zur Finanzierungsidee, werde es eine kostenpflichtige Premium- sowie eine Businessversion geben. „Wir richten uns damit an Unternehmen, die einen noch höheren Sicherheitsstandard wünschen.“ Dazu werde Digittrade zusätzlich einbaubare Hardware anbieten und die Möglichkeit, jeweils unternehmenseigene Server zu nutzen. Die Businessversion soll Anfang 2015 verfügbar sein, die Premiumvariante Ende 2014. Mit ihr können Nutzer u.a. Chiffry selbst mit einem Passwort schützen und etwa PDFs oder Word-Dokumente verschlüsselt versenden.

Rund 20.000 Nutzer zählt Chiffry bisher, und das ganz ohne aktive Werbung. Ende 2015 sollen daraus drei Millionen werden, im Jahr darauf zehn Millionen. Schöne Zahlen, aber glaubt der Jungunternehmer auch daran? „Natürlich! Es gibt ein großes Interesse an unserer Arbeit. Wenn dann erstmal die Marketingaktionen laufen, die wir für mobile Endgeräte planen, werden die Zahlen schnell steigen.“

Seit mehr als einem Jahr programmiert André Gimbut zusammen mit vier Entwicklern an Chiffry, gelernte und studierte Informatiker arbeiten hier Hand in Hand. Digittrade beschäftigt zudem zehn weitere Mitarbeiter und bildet regelmäßig Softwareentwickler und Kaufleute aus. Außerdem hofft das Unternehmen zur Unterstützung weiterhin auf Bewerber – gern mit einem Faible für Kryptografie, also die Verschlüsselung von Daten. An manchen Wochenenden arbeitet das Team durch, manche Partys, sagt der junge Mann, müssten ohne die Männer stattfinden. „Aber es lohnt sich. Ich bin echt stolz auf Chiffry, und die User werden begeistert sein.“

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