Europa ohne Milchquote

Leipzig, 22.10.2015 – Durch den Beschluss der Agrarminister zusammen mit dem EU-Parlament im Jahr 2003 wurden die Milchquoten zum 1. April 2015 abgeschafft. Ein halbes Jahr später zieht der Milchindustrie-Verband, Berlin anlässlich seiner Jahrestagung in Leipzig ein vorläufiges Fazit. Der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes, Hans Holtorf sieht für zum Teil auch politisch diskutierte Nachfolgeregelungen indes keinen Platz: „Die Milchquote hat dreißig Jahre lang nicht funktioniert, warum sollten wir es wieder versuchen?“

Europa hat als eine der letzten großen Regionen die Milchproduktion freigegeben. Lediglich in Kanada und Israel wird die Milchproduktion noch staatlich gesteuert. Die potenten Wettbewerber am Weltmarkt, wie Neuseeland, USA oder Australien haben sich längst von einer Mengenbegrenzung in jedweder Form verabschiedet.

Mit Interesse wird die Diskussion auf nationaler Ebene betrachtet. Die Agrarminister der Bundesländer haben beschlossen, erneut einen freiwilligen Mengenverzicht gegen Erstattung zu prüfen. Für den Verband steht allerdings das Urteil schon fest: unabhängige Wissenschaftler aus den verschiedensten Mitgliedstaaten haben die Vorschläge bereits in der Vergangenheit geprüft und verworfen und auch aktuelle Untersuchungen kommen zu dem gleichen Ergebnis: Die Nachteile überwiegen deutlich den möglichen Nutzen. Auch macht es wenig Sinn in einem gemeinsamen EU-Binnenmarkt ohne Grenzen über nationale Maßnahmen nachzudenken, meint dazu der MIV.

Fest steht, dass die alte Milchquotenregelung den deutschen Milcherzeugern viel Geld gekostet hatte. Nach vorläufigen und vorsichtigen Berechnungen der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen hat die Anwendung der EU-Milchquotenregelung allein in Deutschland Kosten in Höhe von mindestens 15 Milliarden Euro verursacht. Im Rahmen des Strukturwandels der letzten Jahrzehnte mussten wachstumswillige Erzeuger immer mehr Quote zukaufen bzw. Strafabgaben an Brüssel abführen. Alleine nach dem letzten Quotenjahr wurden die deutschen Milcherzeuger mit über 300 Mio. Euro belastet!

Die relativ schlechte Marktsituation zum Sommer 2015 kann auch nicht der fehlenden Milchquotenregelung angelastet werden. Bereits zur Mitte des Vorjahres sanken die Preise trotz Milchquotenregelung. „Die Milchquote ist Vergangenheit, wir sollten gemeinsam nach vorne schauen und die Märkte beobachten“, fügt Hans Holtorf abschließend an.

Bildquelle: Dr. Björn Börgermann

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