„Krankheit und Kraftverkehr: Das Problem muss angepackt werden“

Lüneburg/Hamburg (nr). Hinter einer relevanten Anzahl sogenannter rätselhafter Verkehrsunfälle stecken nicht selten krankheitsbedingte Ursachen. Da ihre Zahl deutlich zunimmt, fordert der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf diesem Problem entschieden entgegenzuwirken.

In einer Fortbildungsveranstaltung des BADS (Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr) und des Niedersächsischen Richterbundes vor Juristen in Lüneburg nannte der Rechtsmediziner unterschiedliche Fälle. „Wenn es in Unfallmeldungen heißt, der Fahrer sei in den Gegenverkehr geraten oder im Straßengraben gelandet, gilt es nach den Ursachen zu forschen“, sagte Prof. Püschel. „Ist unser Körper voll funktionsfähig, gerät man nicht in den Gegenverkehr oder kommt von der Fahrbahn ab. Wenn Alkohol und Drogen ausgeschlossen werden können, rücken Krankheiten oder damit verbundene Medikamenteneinnahme in den Verdacht, denen nachgegangen werden muss.“ Püschel nannte in diesem Zusammenhang neurologische Anfallsleiden wie Epilepsie, Unterzuckerung bei Diabetes, Schlafapnoe mit der Gefahr des sogenannten Sekundenschlafes und auch die zunehmend auftretende Demenz. „Menschen mit Demenz neigen dazu, Vorschriften und Restriktionen zu umgehen bzw. zu missachten.“ Im Fokus stünde darüber hinaus auch ein Mischkonsum von Medikamenten im Zusammenwirken mit Alkohol oder Drogen. Diese könnten sowohl stimulierend als auch dämpfend wirken und im Zusammenspiel zu unvorhersehbaren körperlichen und psychischen Reaktionen führen. „Die negativen Auswirkungen auf den Straßenverkehr sind dann sogar teilweise potenziert.“

Neben einem wirksamen Opferschutz und einer adäquaten rechtlichen Ahndung gelte es aber bei der Prävention vorhandene Krankheiten und ihre Medikation stärker zu beachten, so Prof. Püschel weiter. Er forderte hierzu die Ärzte auf, Patienten bei ihren Krankheiten intensiver zu beraten. Erfahrungen zeigten, dass konstruktive Beratung durch den Arzt die Zahl der Unfälle um bis zu 50 Prozent senken kann. „Grundsätzlich müssen daneben aber auch Fahrlehrer, Angehörige sowie Mitarbeiter von Polizei, Justiz und weiterer staatlicher Stellen für krankheitsbedingte Verkehrsunfälle sensibilisiert werden“, forderte der Rechtsmediziner Prof.Dr. Püschel.

Zur Eröffnung der Veranstaltung hatte der Vorsitzende der Landessektion Niedersachsen des BADS, der frühere Leitende Oberstaatsanwalt und Leiter der Staatsanwaltschaft Verden/Aller, Helmut Trentmann, die aktuellen Zahlen von Verkehrsunfällen durch den Einfluss von Alkohol und Drogen vorgestellt. Danach stieg zwar die Zahl der Verkehrstoten im vergangenen Jahr insgesamt mit 3377 wieder etwas an. Dennoch kann von einer positiven Verkehrsbilanz gesprochen werden. So sank die Zahl der Alkohol- und Drogenopfer bei den Verkehrstoten erfreulicher Weise von 349 auf 302 und damit auf 9 %. „Dennoch gehören Alkohol und Drogen im Straßenverkehr damit leider weiterhin zu den Hauptunfallursachen. Der BADS wird seine erfolgreiche Arbeit in der Prävention daher mit Nachdruck insbesondere durch Vorträge, Filme und Info-Material fortsetzen“, sagte Helmut Trentmann.

Abgerundet wurde die Veranstaltung vor mehr als fünfzig Juristen im Lüneburger Landgericht mit einem Vortrag des Richters am Bundesgerichtshof Wolfgang Pfister. Er stellte mehrere höchstrichterliche Entscheidungen vor, die auf Grund von Revisionen beim BGH getroffen worden sind. „Alkohol und Drogen stellen einen wesentlichen kriminogenen Faktor dar. Mit ihren Auswirkungen muss sich die Rechtsprechung stets aufs Neue auseinandersetzen“, sagte Pfister. Mit seiner Präventionsarbeit trage der BADS verdienstvoll zur Bekämpfung dieser Kriminalitätsursachen bei.

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